Der Wonnemonat Mai und auch der Juni beschert mir momentan so viele wundervolle Momente. Es sind keine weltbewegenden Momente, die in Hochglanz Magazinen Platz finden würden. Doch Glück ist sowieso ein Konzept, das nicht wirklich fassbar und vor allem sehr flüchtig ist. Ich suche in meinem Leben auch keine Höhenflüge, die mir dieses bescheren, sondern achte auf die kleinen Dinge und versuche jeden in meinem Herzen Platz haben zu lassen.
Zu denken, der Krebs hat dazu geführt, dass ich das Leben mehr schätze, liegt zwar nahe. Doch ich praktiziere diese Form auf mein Leben zu sehen schon seit etwa 20 Jahren. Vor 20 Jahren etwa habe ich meine Ausbildung zur Yogalehrerin gemacht und mich in diesem Rahmen intensiv mit dem Thema Achtsamkeit auseinandergesetzt, viele philosophische Schriften studiert und eine eigene Praxis begonnen. Nicht Krankheit lehrte mich, das Leben wertzuschätzen. Ich war schon vorher glücklich jeden einzelnen Tag. Nicht als durchgängiges, abgehobenes und unerreichbares Gefühl. Nicht, weil mein ganzes Leben nur aus Sonnenschein besteht – denn das tut es (leider) keineswegs. Manchmal denkt ein Teil von mir sogar, ob das Universum nicht über mich lacht und Spaß daran haut auszuprobieren, wieviel ich aushalten kann, bevor ich zerbreche. Sondern durch kleine einzelne Momente von Demut oder Dankbarkeit, als stille bis laute Freude oder das Gefühl von Sinnhaftigkeit. Durch tägliche Achtsamkeits-Praxis. Durch Fokus auf das, was jetzt in diesem Moment gut (genug) ist. Der Krebs war und ist dabei ein deutlicher Einschnitt, eine Wunde, die sicher Zeit zum heilen braucht. Ich bin gerade erst aus der Therapie heraus und genieße, wie die Symptome und Beschwerden, die durch die Behandlung ausgelöst wurden weniger werden. Wie ich gleichzeitig wieder zu Kräften komme, zunehme und Dinge tun kann, die ich jetzt so lang nicht tun konnte: Lesen, mit meinen Kindern spielen, eine Treppenstufe steigen (und sogar mehrere!). Das Leben und meine Lebendigkeit zu spüren ist ein Geschenk. Jeden Tag. Hier teile ich Momente, die mein Leben in diesen Wochen reich gemacht haben.
Momente in der Natur
Am 1.Oktober 2025 konnte ich weder aus eigener Kraft ins Auto steigen, noch eine Treppenstufe nehmen. Selbst vermeintlich einfaches wie aus dem Bett aufstehen war eine Herausforderung. Bei jedem Schritt, den ich jetzt wieder ganz selbstverständlich gehe – sogar bergauf – freue ich mich. Mehrmals die Woche gehe ich so in der Natur spazieren. Meist gemeinsam mit einem oder mehreren Kindern. Wir plaudern und lachen oder fotografieren alles hübsche, was uns dabei begegnet. Auch uns selbst. 🙂 Die besten Gespräche und Entdeckungen machen wir oft unterwegs. Und wie sehr habe ich dieses Ritual das letzte Jahr über vermisst, als spazieren gehen immer unmöglicher wurde und irgendwann der Weg ins Bad wie eine Weltreise war. Und wie sehr habe ich die Momente und das plaudern mit meinen Kindern dabei vermisst. Mein Leben zurückzubekommen und gleichzeitig zu beobachten, wie die Natur anfing aufzublühen war die letzten Wochen etwas so besonderes für mich.
Spielerische Momente
Wie viel Freude ich beim Spielen haben kann hatte ich auch schon vergessen. Damit meine ich nicht nur, dass ich die letzten 6 Wochen so viele Brettspiele gespielt habe, wie ewig nicht mehr und dabei so viele gute Momente mit Freundinnen und unseren Kindern erleben durfte, sondern auch, dass ich wieder Kraft habe gemeinsam mit meinen Kindern unseren Alltag so spielerisch zu gestalten, dass wir einfach zusammen Spaß im Alltag haben, sich viele Situationen einfach gut lösen lassen und auch schwierige Momente mehr Verbindung und ein gutes Gefühl mit sich bringen. Ob wir also gerade eine Partie Trio oder Marrakesh spielen, ob wir ein Spiel aus Lerninhalten machen oder in Gesprächen soviel Leichtigkeit und Freude einladen – dadurch in gutem Kontakt miteinander zu sein und sich verbunden und gesehen zu fühlen macht einen Unterschied. Denn letztlich geht es nicht darum, was wir sagen, wenn unsere Kinder sich zb gerade streiten, sondern wie – und mit welcher Haltung wir ihnen dabei begegnen. Ich glaube sehr , dass jeder Moment, den sich Menschen nicht von ihrem Gegenüber bewertet oder verurteilt fühlen dazu beiträgt, dass wir insgesamt gut miteinander umgehen können.
Ich liebe Alltag. Momente, die möglichst „gewöhnlich und langweilig“ sind. Einfach vor sich hin leben können. Und so stehe ich jeden Tag in der Küche und spüle das Geschirr – langsam und achtsam. Wie Thich Nhat Hanh es beschrieb. Geschirr spülen um des Geschirr spülens willen. Im Moment verweilen und nichts anderes tun. Ohne Eile oder Hektik. Teller um Teller. Atmen. Spülen. Da-sein. Das Leben spüren. Es ist da. Während ich spüle. Und während ich mit den Kindern bin. Während ich arbeite, spazieren gehe oder Zähne putze. Körperlich beschwerdefreier zu sein bedeutet soviel Lebensqualität. Und die Wärme des Sommers, die meinem Körper so gut tut, während sogar ich endlich T-Shirts tragen kann (ich, wo mein zweiter Name Frostbeule lauten könnte), beobachte ich, wie der Teil meiner Haare, die ich verloren hatte ähnlich wie die Natur um mich herum beginnt zu wachsen. Ein bißchen crazy – und stilvoll ergraut. Vielleicht beschreibt das mein Leben insgesamt. Ein bißchen crazy. Und stilvoll ergraut. hahah. In diesem Sinne: seid gut zu euch.


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