Sichtbar werden mit 12 von 12: Warum mir das schwerfällt

12. Juni, 2026 | persönliche Blogmomente

Vielleicht kennt ihr das Blogformat 12 von 12, bei dem anhand von 12 Fotos der Tagesablauf jeweils am 12. des Monats dokumentiert und geteilt werden kann. Es ist ein unkomplizierter Blogartikel, weil er ohne viel Text auskommt und Bilder sprechen lässt. Das macht ihn auch zu einem sehr persönlichen und durchaus emotionalem Artikel, denn Bilder erreichen uns auf ganz andere Weise als Texte. Gleichzeitig gewährt er damit auch persönlichen Einblick in das Leben der Autor:innen, was den Menschen hinter dem Blog sichtbarer und realer werden lässt. Ein wie ich finde schöner Ansatz.

Das Format ist mit der Zeit – und wahrscheinlich mit Aufkommen von Social Media nochmal mehr – in den Hintergrund gerückt. Ist es doch möglich auf Instagram unkompliziert in den Storys zig Bilder pro Stunde zu teilen und auf diesem Weg Menschen mit in und durch den eigenen Alltag zu nehmen. Fast inflationär werden wir nun geradezu beworfen mit Storys, die uns zigfach zeigen, wie eine Person ihre Emails liest, mit dem Hund Gassi geht oder ihr Outfit aussucht. Wenn möglich hübsch gespickt mit Werbekooperationen und Produktempfehlungen. Denn Social Media ist, das muss klar sein, zwar auch ein Ort für Menschen, die sich authentisch zeigen wollen aber eben auch ein Ort, in dem Selbstdarstellung auf die Spitze getrieben wird und perfektioniert wird und – das dürfen wir nicht vergessen ein Maretingkanal. Damit will ich nicht von guten alten Zeiten schwärmen, die es so ja auch nicht gegeben hat oder implizieren, dass ein 12 von 12 Blogformat nicht ebenso Werbekooperationen oder Produktplatzierungen enthalten kann. Das Medium Blog allein ist ein etwas langsameres für das sich Menschen aktiver entscheiden müssen, indem sie die Seite aufrufen und den Artikel lesen, während wir auf Socialmedia passiv geflutet werden von einem Videoschnipsel nach dem anderen – und zwar oft ohne, dass wir Einfluss nehmen können auf die Inhalte, denen wir uns aussetzen.

Trotzdessen, dass das Format in die Jahre gekommen und theoretisch überholt ist, ist 12von12 nicht gänzlich verschwunden. Lebendig gehalten wird es von draussennurkaennchen. Wer also einen eigenen Blog und Lust dazu hat, kann jederzeit daran teilnehmen, diese Tradition aufrecht zu erhalten oder für sich neu zu finden.

Wieso es hier keine 12 von 12 gibt

Ich habe trotz dessen, dass ich das Format ganz symphatisch finde, bisher keine 12 von12 Artikel gebloggt und werde das wahrscheinlich in absehbarer Zeit auch nicht tun. Immer wieder habe ich damit geliebäugelt oder am Morgen eines 12 – wie dem heutigen – gedacht, heute probiere ich das doch mal. Jedesmal habe ich im Laufe des Tages entschieden, das doch nicht zu tun. Diesmal habe ich mich gefragt, warum eigentlich nicht. Was genau hält mich davon ab? Geht mir wirklich nur die Puste aus während des Tages daran zu denken oder was ist die Hürde, die für mich bisher so unüberwindbar war und woher kommt das ungute Gefühl, das jedesmal auftaucht?

Dies ist also meine ganz persönliche Auseinandersetzung damit. Sie bewertet weder das Format an sich, noch Artikel zu diesem Format. Ganz im Gegenteil. Denn von anderen lese ich ganz gerne, wie sie ihren 12. des Monats scheinbar so verbracht haben.

Grund 1: Sicherheit trotz Sichtbarkeit. Geht das?

Mit 12 von 12 zeigt man sich von einer persönlichen Seite. Die meisten Reaktionen sind positiv doch gleichzeitig bietet man mit jedem persönlichen Artikel automatisch eine Angriffsfläche. Seit langem will ich mich darin üben, mich mehr zu zeigen und mit dieser Sorge umgehen zu lernen. Mich zeigen mit einem Format wie 12 von 12 erscheint erstmal wie etwas, das eine übersichtliche und machbare Idee ist. Doch was ist überhaupt das Thema mit der Sichtbarkeit und wäre es nicht Zeit mit diesem Unwohlsein umzugehen?

Gleichsam finde ich Thema weitaus komplexer, als das Tipps nach „Verlasse deine Komfortzone“ oder „besiege deine Angst“ dem gerecht werden könnten. Wieso? Weil ich wie alle weiblich gelesenen Menschen von struktureller Diskriminierung und Zuschreibung betroffen werden kann. Weil es einfacher und akzeptierter ist, als Mann sichtbar zu sein – und weil das auch etwas ist, was immer noch und auch wieder mehr so gewollt ist. Weil Männer nicht nur mehr Kompetenz zugeschrieben wird, sondern sie zwar auch, aber weniger Opfer von offenen Anfeindungen werden. Wir dürfen auch sehen, dass all das System hat. Ein System, das daran interessiert ist, Frauen zum schweigen zu bringen. Sie nicht öffentlich stattfinden zu lassen. Frauen im Netz werden Opfer von Anfeindungen, Msyognynie, Gewaltandrohungen, Sexismus, Deepfakes uvm.

Und nein, ich werde als „kleines Licht im Internet“ mit einem Artikel, der davon berichtet, was ich zum Frühstück esse nicht die Last tragen, die politische und andere Aktivistinnen oder Prominente haben. Und doch weiß auch ich, wie es ist, wegen eines sachlichen Kommentars Kommentare von Männern zu erhalten, die mir mitteilen, dass Frauen wie ich das Problem sind und man die Welt von uns befreien müsste. Es bleibt dabei: Als weiblich gelesener Mensch muss jede damit rechnen Gewalt zu erfahren – auch und noch einfacher im Netz. Und da ich darüberhinaus eben auch Mutter bin betrifft jede Entscheidung, jedes mich sichtbar machen mit den Konsequenzen daraus eben auch meine Familie und meine Kinder. Nicht, weil ich sie aktiv einbeziehe, sondern weil ein komplett heraushalten meiner Mutterrolle kaum möglich ist. Mein Leben besteht zu einem großen Teil aus Mutter-sein und authentische Sichtbarkeit gibt es nicht ohne diese Rolle – doch auch ohne Hinweis darauf, werden Mütter bewertet.

Die Sichtbarkeit zu beginnen mit einem Format wie 12 von 12 scheint bei all dem eine Möglichkeit zu sein, die weniger dramatisch ist. Die ein langsames austesten möglich macht. Frühstücksmüsli oder Morgenzeitung zu fotografieren. Teilen. Abwarten. Auch den Hund beim Spaziergang oder die Tasse Kaffee am Nachmittag bietet verhältnismässig wenig Angriffsfläche. Und doch taucht eben jedesmal, wenn ich es versuche ein Beigeschmack auf – ein, warnender Gedanke, der sich in mir ausbreitet. Weil sich zeigen eben immer auch Gefahr bedeuten kann – für mich und für die Menschen, die ich begleite.

Grund 2: Authentisch durch den Alltag – mit der Kamera in der Hosentasche. Geht das?

Organisation – und Tagesablauf/ und das Haustier-nach Hause Problem

Nehmen wir an, ich entscheide mich dazu dieses ungute Gefühl gänzlich zu ignorieren und mich nur darauf zu konzentrieren, was ich teilen will. Die Chance in diesem Format zu sehen, nicht die Gefahr. 12 Fotos an einem Tag zu machen klingt, als wäre es nicht das Problem. Oder?

Und schon kündigt sich ein weiterer Aspekt an, der mich davon abgehalten hat, einen solchen Artikel wirklich zu Ende zu bringen. Allein die Tatsache, dass ich mich dazu entscheide, meinen Alltag zu teilen, führt dazu, dass ich mich weniger authentisch fühle. Denn ich beginne darüber nachzudenken, was ich fotografiere – welche Momente ein Foto wert sind. Mit dem Handy durch den Tag zu gehen mit dem Gedanken, Momente festzuhalten, die nicht für mich sondern für die Welt da draussen sind ist etwas anderes, als wirklich das eigene Leben zu leben. Zumindest für mich. Vielleicht noch. Vielleicht hilft Übung und Wiederholung, dass sich dieses Gefühl verändert.

Gleichzeitig ist das, was in Social Media passiert ein ähnliches Phänomen. Influencer lassen uns teilhaben, wie sie durch den Tag gehen. Und präsentiert bekommen wir dekorative Bilder von hübschen Menschen in hübschen Wohnungen, die hübsche Dinge tun. Menschen, die schnell die Kamera zücken, um emotionale Momente einzufangen, statt ihrem Gefühl Raum zu geben . Die statt sich erstmal um sich selbst zu kümmern, die Welt oder Follower teilhaben zu lassen. Weil das ihr Job ist. Weil sie davon leben. Und damit ein Stück aufgeben, privat zu sein.

Auch das ist wieder ein Aspekt, der auf Social Media eindeutig weitaus mehr Bewandnis hat als in einem Blog. Und die Empfehlung den Artikel ebenfalls in Social Media zu teilen oder sogar die gemachten Bilder dort jedesmal auch zu posten, könnte man natürlich einfach ignorieren. Damit verkleinert sich das Thema direkt – doch ein wenig davon bleibt zurück.

Grund 3: Sichtbar sein ohne „Kuscheltier für ein Wochenende“ Syndrom. Geht das?

Vielleicht ist es auch mehr das „Kuscheltier für ein Wochenende“ Syndrom, über das ich mir noch Gedanken mache. Auch, wenn mein Erwachsenern-Alltag wirklich langweilig sein darf, so bleibt ein bischen von der Frage, wie langweilig darf mein Alltag als Mutter wirklich sein.

Wer sich wundert, noch nie von Kuscheltier für ein Wochenende Syndrom davon gehört zu haben, kann beruhigt sein. Dieses Syndrom habe ich soeben erfunden. Der Gedanke, der dem zugrunde liegt basiert auf der Praktik, die in manchen Kindergärten und Schulen existiert eine Art Kuscheltier-Maskottchen zu haben, das gemeinsam mit einem Fotoalbum jedes Wochenende zu einem anderen Kind nach Hause gehen darf. Zum Wochenbeginn kehrt es dann in die Gruppe oder Klasse zurück und zeigt stolz die Bilder von den Unternehmungen und spannenden Aktivitäten – kurz, von allem, was es das Wochenende über bei diesem Kind erlebt hat anhand der auf Fotos festgehaltenen Bilder. Was ein ersehntes Wochenende für Kinder ist, ist für Mütter meist ein Alptraum. Denn sie müssen nicht nur den Alltag stemmen, sondern haben ganz nebenbei einfach mal eben die Hausaufgaben bekommen, brav fzu otografieren, Bilder ausdrucken, einzukleben und Kommentare zu verfassen. Und obwohl das ein Einblick in den familiären Teil der Woche ist, der eigentlich für Erholung gedacht ist, gibt es wahrscheinlich selten Fotos davon, wie das Kuscheltier den ganzen Samstag einfach im Kinderzimmer in der Puppenecke liegt während das Kind daneben zufrieden spielt. Spektakulärer wäre schon ein Besuch in einem Planetarium, oder?

Grund 4: Sich nicht vor Be- und Abwertungen fürchten. Geht das?

Letztes Jahr wollte ich ein Foto von einem Spaziergang mit den Kindern posten. Das Foto zeigte ein Stück des Weges, meinen Schuh und am Rand des Bildes hat sich ein Stück Schuh eines meiner Kinder eingeschlichen. Worüber habe ich mir wohl Gedanken gemacht? Dass ich mich nicht dafür verurteilen lassen möchte, dass mein Kind günstige Plastik FlipFlops trägt, die ihm fast zu klein sind – weil nur ich weiß, wie wichtig die ihm sind und es sich in diesem Sommer geweigert hat irgendwelche anderen Schuhe zu tragen. Die Sorgen klingen überzogen? Dann postet als Mutter mal auf Social Media ein Bild von einer Lunchbox, in der ein Nutellabrot liegt und zählt 3-2-1 bis ihr hunderte Kommentare erhaltet, in denen ihr genau dafür verurteilt werdet. Um das ganz schnell klarzustellen: Ich hatte großes Glück, dass mein Kindergartenkind am liebsten eine halbe Avocado in der Frühstücksbox hatte. Und ich wollte nicht in der Haut der Mütter stecken, deren Kinder ein anderes Safe Food hatten als meines oder sich das gewünscht und einfach so bekommen haben. Trotz Zucker! Man stelle sich das vor.

Jedenfalls bringt es den Aspekt in meinen Alltag, das ich überlege, womit ich heute meinen Tag fülle, so dass da 12 Fotos herauskommen können. 12 Fotos, die keine Plastikschuhe aber auch keine Lederschuhe zeigen, die keine veganen Milchvarianten aber bitte auch keine Kuhmilch zeigen – weil richtig machen kann man es sowieso nicht. Wo befindet sich der Sweet Spot und ist es ok, dass ich Wasser in Plastikflaschen kaufe, obwohl ich weiß, dass Glasflaschen gesünder wären.

Und doch nimmt es auf eine Weise Einfluss auf meinen Tag und Gefühl, das für mich alles weniger authentisch macht. Wieso? weil ich beginne darüber nachzudenken, womit ich meinen Tag fülle. Weil ich in der zweiten Tageshälfte spätestens merke, dass ich erst ein Foto gemacht habe. Dann überlege, ob mein Leben aufregend genug ist. Ob ich wirklich teilen will, was ich getan habe, wenn das langweilig ist – oder, wie letztes Jahr während meiner chemotherapie Behandlung, ob ich wirklich teilen will, wie schlecht es mir geht. Mindfuck würden wohl einige sagen. Und das mag sein. Gleichzeitig geht es darum, zu einer Haltung zu finden, die mit meinen Werten entspricht und mit der ich mich wohlfühlen kann. Die mir Orientierung bietet. Und die hatte ich bisher nicht. Bisher habe ich mich nicht damit auseinandergesetzt, was die Gründe dafür sind, wieso ich zurückschrecke, wieso ich zögere, wieso ich mich unwohl fühle. Mit dieser Auseinandersetzung und dem herausarbeiten von Themen, die da sind, kann ich vielleicht zu einem Weg finden, wie ich in Zukunft damit umgehen kann oder will.

persönliches Resumee : Von der Chance zum Mental Load mit Gefahrenfaktor

Was ich mit all dem sagen möchte. Unabhängig vom Sicherheitsaspekt beginne ich zu überlegen, was Bilder bei Menschen auslösen können und welche Folgen das für mich haben kann. Ich beginne darüber nachzudenken, womit ich meinen Tag fülle, wenn ich mich für das Format entscheide. Zumal es zusätzlich auch noch 12 von 12 heißt und nicht 1 von 12. Wie viele Aktivitäten oder Momente, die ich wirklich teilen will und die nicht dazu führen, dass ich ansehnlich Geschirr auf meinem Tisch platziere oder den Moment abwarte, an dem das Haustier besonders fotogen ist, statt einfach durch den Tag zu gehen (und ihn auch wirklich zu erleben) kann ich an einem Tag „leisten“. Wie oft mache ich mir während ich durch so einen Tag mit dem Vorsatz 12 von 12 einzufangen Gedanken, die nicht Teil meines Alltags wären und mich damit mehr vereinnahmen, als für mich gut ist?

Ich frage mich, ob mein Leben aufregend genug ist. Ob ich wirklich teilen will, was ich getan oder erlebt habe, wenn das ziemlich unspektakulär ist. Oder, wie letztes Jahr während meiner Chemotherapie, ob ich wirklich teilen will, was mein Tag mit sich bringt während es mir so schlecht geht. Einige Menschen mögen das Mindfuck nennen, ich ordne es auf jeden Fall dem Bereich von Mental Load zu, weil es etwas ist, womit sich meine Gedanken beschäftigen müssen.

Zusammengefasst ist dies alles das, was mich bisher davon abgehalten hat spätestens am Abend und selbst wenn ich alle Fotos beisammen hatte (was eindeutig sowieso die Ausnahme war) doch nicht weiter zu gehen und den Vorsatz zu verwerfen die 12 von 12 zu verbloggen.

Wie eine Annäherung für mich denkbar ist

Was könnte ich tun, um mich dem Abenteuer Sichtbarkeit auf eine Weise zu nähern, mich diesem eigentlich relativ harmlosen Artikel zu nähern, ohne mich weiter damit zu überfordern und das Gedankenkarussell anspringen zu lassen? Wie erfolgreich ich damit sein werde weiß ich nicht. Die Auseinandersetzung mit dem Thema zeigt mir auf jedenfall, dass es für mich nicht ein 12 von 12 wird, sondern dass ich mein eigenes Format brauche. Eines, mit dem ich mich wohl genug fühle und die folgenden Punkte berücksichtigt. habe ich für mich jetzt herausgearbeitet.

Weniger ist mehr: 3 statt 12

Wie der Titel schon sagt. 12 Momente des Tages zu dokumentieren lässt mich zuviel darüber nachdenken, wie ich den Tag angehe und was ich in meinen Tag vielleicht noch packen sollte. Was wäre, wenn ich mich einfach von dieser Vorgabe befreien würde? Wenn ich statt 12 Momente weniger teilen würde? Und noch während ich diesen Gedanke fasse merke ich, wie mein Nervensystem einmal aufatmet. Wie viele sollte ich nehmen, muss es eine feste Zahl sein? Kann ich mit einer beginnen und sie vielleicht auch variabel anpassen? Was wäre, wenn ich mich erstmal an 3 statt 12 versuchen würde?

Fokus setzen und Unspektakuläres wertschätzen

Das Motto „nicht was wir tun, sondern wie wir etwas tun macht den Unterschied“ zeigt, wie wichtig die eigenen Werte und Haltung zu finden und zu leben. Eine Haltung zu etablieren, die unspektakuläres wertschätzt und es als Stärke betrachtet, nicht von einem Event zum anderen zu rennen oder von einem Foto zum nächsten zu jagen ist eine, die meinem wahrscheinlich neurodivergenten Anteil sehr entgegenkommt. Schon seit Jahren erzähle ich immer wieder, dass ich mir ein langweiliges Leben wünsche. Eines, indem nichts passiert und ich einfach das Leben genießen kann. Ich liebe jeden Moment meines Lebens, in dem so eine unaufgeregte Normalität herrscht. Weil es die Abwesenheit von Notzustand ist, die Abwesenheit von langen To-Do Listen. Was wäre, wenn ich statt einen kompletten Tag einen Fokus setze auf eine Sache und meine Liebe zum „weniger ist mehr“ darin zum Ausdruck bringe?

Persönlich heißt nicht privat

So etwas wie Sicherheit existiert im Netz nicht. Und es vergißt auch nichts. Jedes Sichtbarwerden muss sich dessen bewusst sein, dass es Raum für Angriffs- und Projektionsfläche bietet. Und dass auch ein Sog entstehen kann, den Teil unseres Leben, der bisher nur uns selbst gehört hat ins Licht zu rücken, damit andere es sehen können. Was mir für den Moment möglich scheint, ist das Wissen, dass es möglich ist persönlich und nahbar zu sein ohne privat zu werden. Die Grenzen mögen manchmal schwierig sein oder verschwimmen. Und wir können entscheiden, wann wir privat sind und uns zeigen und wann nicht.

Mehr Freiraum in Zeit und Regelmässigkeit

Ein weiterer Punkt, der stressbehaftet für mich ist, ist die zeitliche Vorgabe. Ein fester Termin im Monat, an dem eine bestimmte Anzahl an Bildern geteilt werden soll. Jeden Monat wieder. Wie oft gibt es Tage in meinem Leben, an denen ich schon dachte „ach, heute wäre ein guter Tag gewesen für ein 12 von 12“. Weil ich etwas zu erzählen und zu teilen gehabt hätte, das ich gern erzählt oder geteilt hätte. Es ist nichts, was ein normaler Artikel wäre – einfach das Gefühl, von heute würde ich ganz gern erzählen. Es wird nicht überraschen, dass ich noch nie an einem 12. dieses Gefühl hatte. Also wieso sollte ich nicht auch hier anpassen, was gut zu meinem Leben und meinem Nervensystem passt. Und feste Termine sind für viele Menschen hilfreich, mich engen sie eher ein. Ich fühle mich meistens weitaus weniger frei und insgesamt viel befangener. Viele Jahre habe ich damit zugebracht mein Leben von möglichst vielem zu befreien, was mich unnötig stresst und so etwas gehört eindeutig dazu. Insofern freue ich mich gerade, dass ich mich mit dieser Erkenntnis nicht nur von der vorderen 12 in 12 von 12 befreie, sondern auch von der hinteren, die sich auf den Tag des Monats bezieht. Willkommen in der Freiheit!

Kreativität an, mutig sein und Formate kreieren, die zu meinem Nervensystem, meinen Bedürfnissen und mir passen.

Mich auf diese Weise mit meiner Blockade auseinanderzusetzen hat mich ein paar Stunden des 12. Juni gekostet und dazu geführt, dass ich neugierig und offen für das bin, was statt 12 von 12 zu mir, meinem Nervensytem und meinen Bedürfnissen passen könnte. Die Annäherung, was für mich denkbar wäre zeigt eigentlich schon deutlich, wo der Weg hingehen kann. Sichtbarkeit, die kleiner beginnt und mir mehr Freiraum und Spielraum lässt. Die ich selbst kreiere statt einer Anleitung zu folgen. Und schon passiert etwas ganz neues – und gleichzeitig bekanntes, das zeigt, das ich mich deutlicher wohler fühle: meine Kreativität beginnt zu sprudeln. Ich beginne Spass daran zu haben, mir lustige Formatnamen einfallen zu lassen oder zu überlegen, was ich verändern und anpassen könnte, so dass e sich für mich angenehmer anfühlt.

In diesem Sinne mag ich hier gern zwei Formate vorstellen, die gerade durch meine Gedanken kreisen und die ich gerne für mich mit Leben und Beiträgen füllen würde.

„3 Momente“

Als Alternative zum 12 von 12, bei dem 12 Fotos am 12. des Monats gemacht und geteilt werden, fühlt sich für mich ein „3 Momente“ soviel mehr nach mir an. Zumal es auch mal nur 2 oder sogar 5 Momente sein dürften und vollkommen zeitunabhängig sind. Ich nehme mir vor, mir keine Veröffentlichungsrythmen vorzugeben. Keine Häufigkeit. Und keine fixen Tage, an denen das passieren muss. Stattdessen Freiheit mich auszuprobieren und Freude an dem zu haben, was entsteht. Die 3 Momente dürfen sich auf einen einzelnen Tag beziehen, wie es die 12 von 12 tun – aber sie könnten sich auch auf einen Zeitraum oder eine Situation beziehen.

„3 Gedanken“ oder „3 Gedanken zum….“

Ein Ansatz, der auch ohne Fotos auskommt wäre „3 Gedanken“, die ich als Rückblick einer Woche, eines Tages oder auch als Alternative zu einem Monatsrückblick verbloggen könnte. Genauso könnten es 3 Gedanken zu einem bestimmten Thema sein, das mich momentan oder in diesem Zeitraum beschäftigt. Es darf genauso kurz gehalten sein und komplett ohne Recherchearbeit auskommen, wie ein 12 von 12 oder ein Rückblick und ein Einblick sein in das, worum meine Gedanken kreisen.

Neuer Fokus, neue Energie

Statt 12 von 12 habe ich heute, am 12. Juni einen Artikel geschrieben, der sich mit meinen inneren Blockaden, Sorgen und Erfahrungen befasst und mich dazu geführt hat, dass ich anders sein darf. Dass ich kreieren darf, was zu mir passt. Dass es klein und leise sein darf, unspektakulär, unaufgeregt. Alles Dinge, die meinem System mehr Sicherheit und meiner Kreativität mehr Freiraum geben. Das Thema der Sicherheit und mein Bedürfnis danach bleibt – und zumindest für den Augenblick scheint auf diese Weise gerade mehr möglich zu sein, als bisher. Mal sehen, wo es mich hinführt.

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Autorin

Seit über einem Jahrzehnt begleite ich Familien in verschiedenen Lebenslagen. Auf meinem Blog schreibe ich über Themen, die mich  beschäftigen und berühren. Von Bindungs- und Neurowissenschaften über Entwicklungspsychologie bis hin zu Stressprävention, Trauma und Burnout.

Es geht um alles, was Eltern und Fachkräfte bewegt – und was uns hilft, unsere Kinder gut ins Leben zu begleiten. Manchmal teile ich auch persönliche Einblicke aus meinem Alltag als Mutter von drei Kindern.

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